Zytostatika-Skandal – erste Studie

Der Bottroper Zytostatika-Skandal um den Apotheker Peter Stadtmann und dessen Millionengeschäft um oft gestreckte Krebsmittel  ist eines der 16 Kapitel unseres Buches „Geschädigt statt geheilt“. Dazu gibt es nun eine Studie zu den Folgen für die vielen Patientinnen und Patienten. In Auftrag gegeben hatte sie das NRW-Gesundheitsministerium; sie stammt aus dem Bremer Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) unter Leitung von Frau Prof. Dr. Ulrike Haug. Sie ist Medizinerin und approbierte Apothekerin.

Bei den 117 Zubereitungen, die bei Stadtmanns Verhaftung im November 2016 sichergestellt wurden, enthielten  Haug zufolge nur 44 % den ärztlich verschriebenen Wirkstoffgehalt. Die übrigen 66 Zubereitungen (56 %) enthielten lediglich zehn bis 20 % des verordneten Wirkstoffgehalts, gar keinen Wirkstoff oder einen falschen.

Haugs Arbeit weist nach, dass jene Patientinnen und Patienten, die Stadtmann durch seine „Alte Apotheke“ in Bottrop versorgte, signifikant mehr Infusionen zur Behandlung ihrer onkologischen Erkrankung benötigten als Patientinnen und Patienten, die mit Infusionen aus anderen Apotheken bekamen.

Krebsrezidive häufiger

Auffallend war ferner, dass bei den Patientinnen mit Brustkrebs die Zeit bis zum Wiederauftreten von Tumoren (Rezidive) unter den Kundinnen der „Alten Apotheke“ deutlich kürzer war als in der anderen Gruppe. Im Moment lässt sich aber noch nicht sagen, ob daraus mittelfristig eine höhere Sterberate folgt.

„Bei dem Fall des Bottroper Apothekers handelt es sich um ein unfassbares Verbrechen, dass mich zutiefst erschüttert hat. Das Vertrauen in eine ordnungsgemäße Arzneimittelversorgung wurde durch diesen Fall schwer beschädigt. Ich hoffe, die Studienergebnisse tragen zur Aufklärung der Auswirkungen dieser nicht ordnungsgemäßen medikamentösen Versorgung bei”, erklärte NRW-Gesundheitsminister Laumann. Stadtmann wurde nach einem langen Gerichtsverfahren, bei dem er kein Wort sagte, zu zwölf Jahren Haft verurteilt; er darf nie wieder als Apotheker tätig werden.

Frau Prof. Haug sagte zum Resultat dieser sehr aufwendigen Studie: „Es ist wichtig zu betonen, dass es sich hier um die Ergebnisse eines Gruppenvergleichs handelt. Es kann daraus nicht geschlossen werden, dass die unterdosierten Zubereitungen aus der Apotheke Bottrop bei keinem der Betroffenen zu einem ungünstigeren Krankheitsverlauf geführt haben. Man sollte aber auch bedenken, dass die längerfristigen Auswirkungen noch nicht abschließend beurteilt werden konnten.“

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